Sonntagsgedanken zum Palmsonntag

Wundert ihr euch vielleicht, warum wir heute schon die ganze Geschichte bis zum Schluss gehört haben?

Eigentlich ist heute doch Palmsonntag. Wir denken an den Einzug von Jesus in Jerusalem. Dieses Evangelium haben wir zu Beginn der Prozession draußen gehört.

Aber später hörten wir die Passion, also den Teil wie die Geschichte von Jesus weiterging: Jesus feierte ein Abschiedsessen mit seinen Freunden, er wurde gefangen genommen, musste das schwere Kreuz tragen und starb.

An all das denken wir nächste Woche… An das letzte Abendessen, das letzte Abendmahl und die Verhaftung am Donnerstag. An den Weg mit dem Kreuz und den Tod am Freitag.

Also warum heute schon die ganze Geschichte?

Man könnte sagen, dann ist es doch doch gar nicht mehr so interessant an den anderen Tagen… ?

Ich glaube, man muss wissen, wie es weitergeht, sonst kann man den Weg nicht mitgehen.

Wie immer in der Bibel ist das, was wir gehört haben, nicht einfach nur eine Geschichte, die irgendwann passiert ist. Es geht immer darum: was hat das mit mir zu tun? Das ist die Geschichte Gottes mit den Menschen, die er heute bei mir weitergeht.

Die Leute damals in Jerusalem kamen zusammen, weil sie gehört hatten, dass Jesus Wunder vollbringt. Sie glaubten, er wäre der Erlöser, den Gott schon lange versprochen hatte. Jetzt standen sie an der Straße und riefen „Hosanna“, das heißt „Herr, hilf“. Die meisten wollten wahrscheinlich hauptsächlich, dass Jesus die Römer vertreiben sollten, die das Land besetzt hatten.

Und wir? Wir beten auch meistens, wenn wir etwas wollen: hilf mir bei der Klassenarbeit oder: lass Friede in der Ukraine werden.

Und hat Jesus die Römer vertrieben? Nein, eben nicht, er wurde festgenommen und musste sterben.

Und macht lässt Jesus den Krieg enden? Nein, eben nicht, obwohl so viele Leute dafür beten. Er wurde festgenommen und musste sterben.

Jesus ging es eben nicht darum, dass er nur unsere äußeren Probleme kurz mal zu lösen, damit wir dann unser Leben so weiterleben, wie immer.

Jesus ging nach seinem Einzug in den Tempel und räumte dort auf… er vertrieb die Händler, alles, was stört, um im Tempel wirklich Gott zu begegnen.

Und bei uns? Jesus will auch bei uns in unseren Herzen aufräumen, alles was stört, damit wir wirklich Gott begegnen können.

Dann feierte Jesus das letzte Abendmahl mit seinen Freunden. Dabei wusch er ihnen die Füße. Petrus wollte zuerst gar nicht. Vielleicht dachte er: oh, meine Füße stinken, ich habe ein Loch im Socken. Ich will nicht, dass Jesus das sieht. Aber Jesus wollte die Füße waschen, wollte dass Petrus ihm alles zeigt.

Und wir? Wir alle haben Stellen im Herzen, die wir niemandem zeigen wollen. Auch Jesus nicht. Aber Jesus sagt: doch zeig mir deine stinkenden Füße, zeig mir das, was niemand sehen soll. Ich wasche das alles weg. Daran denken wir eben am Gründonnerstag.

Wie ging es dann weiter? Dann wurde Jesus verhaftet, verurteilt und musste das Kreuz tragen.

Das alles hat er durchgemach, ausgehalten und ertragen für mich. Damit mir meine Sünden vergeben werden. Wenn wir an Karfreitag auf das Kreuz schauen, dann darf ich da alles abladen, was ich falsch gemacht habe in der letzten Zeit.

Und wenn ich über die ganze Woche den Weg von Jesus so mitgehe, dann kann ich am Sonntag auch wirklich erfahren, Jesus ist auferstanden! Nicht nur vor 2000 Jahren, sondern auch in mir.

Wenn ich ihn in mir aufräumen lassen, wegwaschen lasse und wenn ich mit ihm das Kreuz aushalte, dann kann ich an Ostern miterleben: der Schutt, der Mist in meinem Herzen ist weg. Ich spüre wieder Gottes Liebe. Er ist wirklich da, es gibt ihn echt!

Jesus will eben, dass wir heute nicht nur dastehen und Hosanna rufen, Herr hilf uns bei unseren äußeren Problemen. Er will eben bei uns innen drin etwas ändern.

Er hat auch damals nicht die Römer vertrieben, er ist am Kreuz gestorben, um unsere Sünden wegzumachen.

Das, was in uns im Innersten von Gott trennt.

Deshalb ist es wichtig, dass wir eben die ganze Geschichte kennen.

Es ist heute die Einladung, mit Jesus die ganze Geschichte zu gehen und dann am Sonntag wirklich Auferstehung zu feiern.

von Martina Gröber

 

Sonntagsgedanken zum Heiligen Abend

Wenn ich Euch Kinder fragen würde, worauf ihr euch an diesem Weihnachtsfest am meisten freut, dann bin ich mir sicher, ich kann erraten, was als erste Antwort kommt:

Die Geschenke!

Wenn ich die Erwachsenen frage, dann antworten die wahrscheinlich eher:

Auf die Zeit in der Familie, auf das leckere Essen, auf die freien Urlaubstage…

Ich bin mir ziemlich sicher, dass das, woran wir gerade denken, worauf wir uns freuen, was wir uns wünschen auch eintrifft: bestimmt liegen für euch Kinder Geschenke unterm Baum und wir Erwachsenen bekommen unsere Zeit mit der Familie und unseren Urlaub.

Aber wisst ihr was spannend ist?

Sind wir damit rundum zufrieden? Total glücklich? Ganz erfüllt? Wenn wir dann später ganz satt und mit vielen Geschenken unterm Christbaum sitzen, sind wir dann rundherum glücklich?

Meistens, wenn sich ein Wunsch erfüllt, dann hat man eigentlich gleich den nächsten Wunsch.

Ich glaube, das ist so, weil es in unserem Herzen ein Loch gibt, das sich einfach nicht füllen lässt.

Da gibt es einen Teil von uns, der nie ganz zufrieden und nie genug geliebt ist.

Ich denke, dieses Loch in uns kann nur Gott stopfen.

Und das feiern wir an Weihnachten: Gott will uns zeigen, wie groß seine Liebe zu uns ist. Er will uns ganz nahe kommen und das Loch in unserem Herzen stopfen: mit diesem kleinen Kind in der Krippe.

Mit Jesus: der menschgewordenen Liebe Gottes.

Wenn wir in diesen Tagen an die Krippe kommen und das kleine Kind dort liegen sehen, dann soll und darf es in unsere Herzen fluten:
Gott liebt mich ganz persönlich, er will mich ganz und gar glücklich und zufrieden machen.

Von Martina Gröber

Sonntagsgedanken zum Christkönigssonntag (Mt 25, 31-47)

Liebe Mitchristen!

„Was ihr einem meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan“ (Mt 25,40) – Diese Worte spricht unser Herr Jesus Christus als Weltenrichter am jüngsten Tag zu den Gerechten. Mit diesen Worten ist die große Solidarität des Herrn mit allen Leidenden und allen Menschen in Not ausgesagt, aber es ist eben auch die Rede von einem jüngsten Tag, einem Endgericht. Aber ist diese Idee nicht mit großen Schwierigkeiten verbunden? Nicht nur, dass den Menschen damit über Jahrhunderte Angst eingeflößt wurde, sondern wir gleichermaßen auch gerufen sind, zu glauben, dass unsere Verstorbenen jetzt schon beim Herrn geborgen seien.

Wenn wir die Bibel als Buch der Glaubenserfahrung und Glaubensreflexion lesen, dann können wir sagen: Es findet eine Entwicklung statt. Schon im Buch der Makkabäer, einem der jüngsten Bücher im Alten Testament, finden wir den Gedanken, dass die Gerechten am jüngsten Tag zu neuem Leben erweckt werden. Ebenso lässt sich in den Evangelien diese Entwicklung aufzeigen. So sagt Jesus zum Schächer am Kreuz, als dieser ihn bittet, seiner zu gedenken: „Heute noch wirst du mit mir im Paradiese sein.“ (Lk 23,43). Oder als Jesus zum verstorbenen Lazarus kommt und Martha ihren Glauben an die Auferstehung am jüngsten Tag bekennt, da entgegnet er ihr: „Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt.“ (Joh 11,25). Zusammenfassend lässt sich sagen: Der Herr wartet nicht bis zum jüngsten Tag. Auferweckung und Auferstehung will hier und heute geschehen. Ebenso sollen wir glauben, dass unsere verstorbenen Angehörigen jetzt schon beim Herrn neues Leben empfangen. Ist der jüngste Tag so zum Zwischenschritt geworden, den wir heute getrost bei Seite legen können? Auferstehung verstehen wir als ein weitreichendes Geschehen – als Erlösung des ganzen Menschen. Dazu gehört auch seine Existenz in der Welt, seine Verbindungen zur Schöpfung, die menschliche Gemeinschaft, deren Teil er war und ist. Joseph Ratzinger gibt dazu in seinem Werk „Einführung in das Christentum“ zu bedenken: „Wenn der Kosmos Geschichte ist und wenn Materie ein Moment an der Geschichte des Geistes darstellt, dann gibt es einen letzten Zusammenhang zwischen Materie und Geist, in dem sich das Geschick des Menschen und der Welt vollendet. Dann gibt es einen jüngsten Tag, in dem das Geschick der Einzelmenschen voll wird, weil das Geschick der Menschheit erfüllt ist. Das Ziel des Christen ist nicht eine private Seligkeit, sondern das Ganze. Er glaubt an Christus und er glaubt darum an die Zukunft der Welt, nicht bloß an seine Zukunft. Er weiß, dass diese Zukunft mehr ist, als er selbst schaffen kann. Er weiß, dass es einen Sinn gibt, den er gar nicht zu zerstören vermag. Darum dann doch Abschluss der Vollendung am Ende aller Tage.“

So können wir auch glauben und hoffen, dass wir durch den Herrn und durch das Gebet mit unseren Verstorbenen verbunden sind. Diese Welt soll zudem insgesamt Gerechtigkeit erfahren – Das ist die Verheißung des Christkönigfestes, das ist das Königtum Christi. Dennoch weiß der Herr uns schon jetzt ins Leben zu führen. Eine große Hoffnung ist uns zusagt, aber auch aufgetragen. Der Auftrag lautet, Zeugnis von dieser Hoffnung zu geben. Eine große Hoffnung ist uns zusagt, aber auch aufgetragen. Der Auftrag lautet, Zeugnis von dieser Hoffnung zu geben. Einen hoffnungsvollen, gesegneten Christkönigssonntag!

Ihr Pfarrer Jürgen Sauter

Das Schubladenevangelium

Sonntagsgedanken zum Evangelium vom 14. Sonntag im Jahreskreis (Mt 11,25-30) von Martina Gröber

Diese Woche war in der Zeitung ein Artikel über eine Ausstellungseröffnung des Biberacher Künstlers Daschu. Der Titel der Ausstellung „Kein Mensch passt in eine Schublade“. Der Künstler malte seine Werke in Schubladen.

Daran musste ich denken, als ich das heutige Tagesevangeliums Mt 11,25-30 las, den hier teilt Jesus teilt die Menschen, seine Zuhörer und auch uns in verschiedene Kategorien ein. Man könnte auch sagen: packt sie in Schubladen.

Da gibt es die „Weisen und Klugen“, die „Unmündigen“ und schließlich die, die „Mühselig und Beladen“ sind.

Die Weisen und Klugen, sind die, die schon alles wissen. Die die Regeln für ein gutes, gerechtes Leben kennen, die die Gesätze halten. Weise und klug sind alle, die nach dem Verstand handeln. In Jesu Kontext sind das die Pharisäer und Schriftgehrten.

Die Unmündigen, sind bei Jesus die, die das Evangelium, die frohe Botschaft noch nicht kennen. In manchen Übersetzungen steht hier auch „Unwissenden“. Bei „unmündig, unwissend“ denken wir auch gleich an Kinder, die eben noch nicht alles wissen, oder nicht eigenständig entscheiden können.

Und die „Mühselig und Beladenen“ sind alle die, die unter den Sorgen und Nöten des Alltags leiden. Die im Hamsterrad der täglichen Arbeit feststecken.

Wenn ich mir überlege, in welcher dieser Schubladen ich stecke dann auf alle Fälle in der „Mühselig und beladenen“.
Von der Überschrift her, wäre ich natürlich auch gerne „weise und klug“, aber leider kommt die bei Jesus nicht gut weg. Er sagt ja: vor denen bleibt der Vater und der Sohn verborgen. Die verstehen Jesu Botschaft nicht.

Ich denke, Jesus hat einen sehr richtigen Blick auf uns Menschen. Die meisten von uns sind Versandesmenschen: wir hören die Botschaft, dass wir Gottes geliebte Kinder sind, wertvoll und auserwählt. Wir wissen, dass Jesus aus Liebe zu uns Mensch geworden ist und für unsere Erlösung am Kreuz gestorben ist. Wir sind erlöste Gotteskinder. Und trotzdem stecken wir in Sorgen und Ängsten im Alltag fest.

Wir können es gar nicht glauben, dass wir „einfach so“ von Gott geliebt sind, uns Gottes Liebe nicht durch fromme Übung und gutes Tun verdienen müssen.

Wir stecken also fest in diesen zwei Schubladen, der „Weisen und Klugen“ und „mühselig und beladenen“.

Aber wie kommen wir da heraus?

Vielleicht können wir auf die Schublade der „Unmündigen“ als neuen Titel „Die mit offenem Herzen“ schreiben.

Im Grunde sagt uns Jesus: die Botschaft muss vom Kopf ins Herz wandern. Wenn wir mit dem Herzen verstehen, dass wir geliebt und erlöst sind, dann wird unsere Seele Ruhe finden, dann dürfen wir erleben, dass Jesu Joch sanft und seine Last leicht ist.

Das Problem ist, dass wir nicht aus eigener Kraft erreichen können, dass die Botschaft vom Verstand ins Herz wandert. Aber wir können in unseren menschlichen Erfahrungen und Erlebnissen Gottes Wirken und seine Gegenwart suchen und entdecken. Wenn ich Gottes Spuren in meinem Leben suche und finde, dann ist mein Herz offen. Und dann darf ich auch immer mehr erleben, dass ich Ruhe finde in Gott und meine Last leicht wird.

 

Dreifaltigkeitssonntag

Liebe Mitchristinnen und Mitchristen,

wir feiern diese Woche den Dreifaltigkeitssonntag – einen Sonntag, der uns an ein Mysterium, also an ein Geheimnis erinnern will. Ein Geheimnis ist, im Gegensatz zu einem Rätsel, etwas, das sich unserem Verstand nie ganz erschließen wird. Da bleibt immer etwas, was über unseren Verstand hinausgeht. Nun könnten wir bei einem Geheimnis geneigt sein, zu sagen: „Das ist mir zu schwierig. Das lasse ich beiseite.“

Bemerkenswert ist das Geheimnis um den Dreifaltigkeitssonntag aber, da es uns ständig, bewusst oder unbewusst, begleitet: Beim Kreuzzeichen, beim Glaubensbekenntnis, sogar in der Taufformel („Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.“). Die Lehre vom dreifaltigen Gott ist immer Teil des Ganzen und steht dennoch auch immer in der Kritik, dass es sich dabei um eine Verfälschung des Glaubens an den einen und einzigen Gott handle.

Wagen wir doch einen Blick in den biblischen Befund. Da steht beispielsweise folgender Vorwurf an Jesus im Raum, als er dem Gelähmten die Vergebung zusagt: Nur Gott könne Sünden vergeben. Jesus nimmt dieses Recht trotzdem in Anspruch! Andererseits spricht Jesus Gott auch als Vater an. Es besteht also eine sichtbare Verschiedenheit und dennoch wird Gottes Nähe in Jesus erfahrbar. Das ist ebenso die Aussageabsicht der Wundererzählungen. Und schließlich finden wir im Johannesevangelium das Bekenntnis des Apostels Thomas, der zu Jesus spricht: „Mein Herr und mein Gott!“ (Joh 20,28)

Auch den Heiligen Geist, der ebenfalls Teil der Dreieinigkeit ist, können wir nicht einfach mit dem Vater oder dem Sohn gleichsetzen, obwohl auch er göttliche Wirklichkeit ist. Man könnte hier die Frage stellen: Ist der Sohn oder der Heilige Geist vielleicht dem Vater nachgeordnet? Dann bliebe eine unaufhebbare Distanz. Was kann uns die Lehre von dem einen Gott in drei Personen sagen?

Die Vielfalt ist in Gott selbst. Gott ist in sich Gemeinschaft. So sehr wir von dem einen Gott sprechen, so ist er auch die Gemeinschaft der Persönlichkeiten, die wir Vater, Sohn und Heiliger Geist nennen. Gott ist in sich Gemeinschaft. Die Einheit von Verschiedenem – und das ist es ja, was Liebe ausmacht. So hat es auch Kardinal Walter Kasper formuliert: Die Lehre vom dreifaltigen Gott ist letztlich die Auslegung des Satzes „Gott ist die Liebe.“ Der Heilige Patrick aus Irland hat dies am Beispiel des Kleeblattes zu erklären versucht: Aus drei Teilen besteht das Blatt und doch ist es ein einziges. Und er spricht weiter:

Die Liebe des Vaters hat uns erschaffen. Die Liebe des Sohnes hat uns erlöst. Die Liebe des Geistes schenkt uns bleibende Verbundenheit. Das Kleeblatt in der Natur als Erinnerung an das Geheimnis Gottes.

Gott hat uns Menschen nicht als Gegenüber geschaffen, damit er nicht allein ist. Wir glauben dennoch daran, dass dieser Gott mit uns zu tun haben will, dass er Gemeinschaft mit uns will. Der Dreifaltigkeitssonntag versucht genau dieses zu zeigen: Gott als ein Geheimnis und Wunder, über das wir staunen können und sollen. Wir dürfen aber auch darüber staunen, dass eben dieser Gott Gemeinschaft mit uns sucht. Mögen wir trotz aller Widrigkeiten des Lebens mit Freude in dieses Geheimnis einstimmen.

Ihr Pfarrer Jürgen Sauter