Bekennerbischof Joannes Baptista Sproll

Klarheit, Eifer und engagierter Einsatz für Gott, drei Eigenschaften, die den großen Sohn der Gemeinde Schweinhausen beschreiben können: Joannes Baptista Sproll, 7. Bischof von Rottenburg.

Bischof Sproll wurde am 02.10.1870 in Schweinhausen geboren und wuchs hier auf. Rechtzeitig erkannten die Pfarrer vor Ort, Pfarrer Vochezer aus Schweinhausen und Prälat Dr. Hofele aus Ummendorf, sein Talent. Durch die Förderung dieser beiden konnte er Abitur erlangen. Mit knapp 20 Jahren begann er sein Studium der Philosophie und Theologie in Tübingen. Mit 24 Jahren wurde er am 16. Juli 1895 in Rottenburg zum Priester geweiht.

Seine Vikarszeit verbrachte er in Oberndorf und in Hofs bei Dr. Josef Vochezer, seinem Förderer und ehemaligen Pfarrer von Schweinhausen. 1897 wurde er als Repetent ans Wilhelmsstift berufen, um dort in der Priesterausbildung zu wirken. 1900 wurde er Subregens am Priesterseminar in Rottenburg und 1909 Pfarrer in Kirchen bei Ehingen. Dort wollte er den von ihm mitverfassten Katechismus erproben. Eines seiner Ziele dabei war es auch, die Jugendlichen angemessen anzusprechen. Bischof Sproll galt als moderner Seelsorger.

Seit 1912 war Bischof Sproll Mitglied des Domkapitels, er wurde 1913 Generalvikar und 1916 zum Weihbischof in Rottenburg geweiht. Wir befinden uns zwischenzeitlich mitten im Ersten Weltkrieg. Als Weihbischof besuchte er in dieser Zeit die Soldaten der Württembergischen Landwehr in Frankreich und auch in der Ukraine. Was er dort erlebte, prägte ihn tief. Bischof Sproll schloss sich dem Friedensbund der Deutschen Katholiken an. In einer Predigt, die er im August 1914 in Seebronn gehalten hat, spricht er im Gegensatz zum Kriegspathos vieler Zeitgenossen von trostlosen Zeiten.

Der erste Weltkrieg ging zu Ende; das Leben ging weiter. Man war damit beschäftigt, wieder Fuß zu fassen. 1919/20 war Bischof Sproll zusätzlich zu all seinen Aufgaben Mitglied der verfassungsgebenden Landesversammlung Baden-Württembergs. Seine Inthronisation zum 7. Bischof von Rottenburg erfolgte am 14.06.1927. 

Kurz nach Kriegsende begann der Nationalsozialismus aufzukommen. Schon 1929 fing Bischof Sproll an, zusammen mit Eugen Bolz, den Widerstand gegen den aufkommenden Nationalsozialismus zu organisieren. Seine Positionen machte er nicht nur im politischen Gespräch im kleinen Kreise deutlich. Vielmehr bezog er in seinen Predigten deutlich Stellung, gerade auch in den Predigten bei Jugend- und Bischofstagen, zu denen zwischen 8.000 und 20.000 Mitfeiernde kamen. Seine Aussagen ließen an Klarheit, Bestimmtheit und Entschiedenheit nichts zu wünschen übrig.

1937 wurde ein Ermittlungsverfahren gegen den Bischof wegen seiner Predigttätigkeit eröffnet. Am Palmsonntag 1938 blieb er der Reichstagswahl und der Volksabstimmung über den Anschluss Österreichs fern. Nach dieser Verweigerung der Wahl, die in der damaligen Zeit sehr genau wahrgenommen wurde, begann eine schwierige Zeit für Bischof Sproll. Unruhen und Demonstrationen, mit Steinen eingeworfene Fenster im Bischofspalais in Rottenburg, ein wild gewordener Mob, der im Hause wütete, eine angezündete Matratze… Schließlich wurde Bischof Sproll seiner Diözese verwiesen. Er durfte sich ab 23. Juli 1938 nicht mehr hier aufhalten. Die vier Monaten bis zu dieser Verbannung waren eine Tortur für ihn. Pfarrer i.R. Franz-Xaver Schmid fand heraus, dass er in dieser kurzen Zeit fast 30 Mal seinen Aufenthaltsort wechseln musste, weil man ihm nach dem Leben trachtete. Die meiste Zeit seiner Verbannung verbrachte er in Krumbad. Schwester Gosberta Vochezer, die Schwester seines ehemaligen Heimatpfarrers nahm ihn dort gerne auf.

Die Schergen hatten sich von Bischof Sprolls Verbannung natürlich erhofft, ihn damit ruhiggestellt zu haben. Doch damit lagen sie falsch. Bischof Sproll ließ sich das Denken, das Fühlen und das Reden nicht verbieten. Er stellte immer wieder klar, dass er in diesem Falle eben aus der Ferne seine Diözese leitet. Er schrieb weiter seine Predigten, die er mittels Boten in die Gemeinden seiner Diözese verteilen ließ. Er war und blieb der Bischof von Rottenburg und nahm daher stets seine Verantwortung wahr für diejenigen, die ihm anvertraut waren. Aufgrund dieses Einsatzes in der Zeit des Nationalsozialismus erhielt er den Ehrentitel "Bekennerbischof".

Bischof Sproll kehrte erst am 12.06.1945 schwer krank nach Rottenburg zurück. Dort starb er am 04.03.1949.

Dass er seine Klarheit, seinen engagierten Einsatz, seinen Eifer stets behalten hat, das verdankt er mit Sicherheit seiner Oberschwäbischen Bodenhaftung - dieser Bodenhaftung, die gepaart ist mit einer selbstverständlichen Gottverbundenheit. Im täglichen Gebet ließ er sich von Gott stärken. Dabei hat er in den schlimmen Jahren, in denen er selbst, die Menschen und die Kirche so sehr von den Nationalsozialisten bedrängt wurden, stets auch für die gebetet, die er eindeutig auf der fehlgeleiteten Seite der Versucher sah.

Diese Stärke und Kraft von Bischof Sproll, diese Stärke und Kraft in sehr schwierigen Zeiten, sie soll uns allen ein Vorbild sein.

Für Bischof Joannes Baptista Sproll wurde im Mai 2011 in Rottenburg der Seligsprechungsprozess eröffnet.

2015/16 wird ein eigener Gedenkort an Sprolls Heimatkirche in Schweinhausen angebaut. Zwei Seiten und die Decke des Anbaus sind aus Glas und durch den Kunstmaler Hermann Geyer dem Gedenkort entsprechend gestaltet. Dort werden Mitra, Kelch und Totenmaske von Bischof Sproll ausgestellt . So kann innerhalb der Kirche und jederzeit zugänglich die Verehrung von Bekennerbischof Joannes Baptista Sproll in Andacht wahrgenommen werden. 

Hier finden Sie einen ausführlichen Bericht zum Gedenkort Bischof Sproll in Schweinhausen