Sonntagsgedanken zum Palmsonntag

www.pixabay.com

Wundert ihr euch vielleicht, warum wir heute schon die ganze Geschichte bis zum Schluss gehört haben?

Eigentlich ist heute doch Palmsonntag. Wir denken an den Einzug von Jesus in Jerusalem. Dieses Evangelium haben wir zu Beginn der Prozession draußen gehört.

Aber später hörten wir die Passion, also den Teil wie die Geschichte von Jesus weiterging: Jesus feierte ein Abschiedsessen mit seinen Freunden, er wurde gefangen genommen, musste das schwere Kreuz tragen und starb.

An all das denken wir nächste Woche… An das letzte Abendessen, das letzte Abendmahl und die Verhaftung am Donnerstag. An den Weg mit dem Kreuz und den Tod am Freitag.

Also warum heute schon die ganze Geschichte?

Man könnte sagen, dann ist es doch doch gar nicht mehr so interessant an den anderen Tagen… ?

Ich glaube, man muss wissen, wie es weitergeht, sonst kann man den Weg nicht mitgehen.

Wie immer in der Bibel ist das, was wir gehört haben, nicht einfach nur eine Geschichte, die irgendwann passiert ist. Es geht immer darum: was hat das mit mir zu tun? Das ist die Geschichte Gottes mit den Menschen, die er heute bei mir weitergeht.

Die Leute damals in Jerusalem kamen zusammen, weil sie gehört hatten, dass Jesus Wunder vollbringt. Sie glaubten, er wäre der Erlöser, den Gott schon lange versprochen hatte. Jetzt standen sie an der Straße und riefen „Hosanna“, das heißt „Herr, hilf“. Die meisten wollten wahrscheinlich hauptsächlich, dass Jesus die Römer vertreiben sollten, die das Land besetzt hatten.

Und wir? Wir beten auch meistens, wenn wir etwas wollen: hilf mir bei der Klassenarbeit oder: lass Friede in der Ukraine werden.

Und hat Jesus die Römer vertrieben? Nein, eben nicht, er wurde festgenommen und musste sterben.

Und macht lässt Jesus den Krieg enden? Nein, eben nicht, obwohl so viele Leute dafür beten. Er wurde festgenommen und musste sterben.

Jesus ging es eben nicht darum, dass er nur unsere äußeren Probleme kurz mal zu lösen, damit wir dann unser Leben so weiterleben, wie immer.

Jesus ging nach seinem Einzug in den Tempel und räumte dort auf… er vertrieb die Händler, alles, was stört, um im Tempel wirklich Gott zu begegnen.

Und bei uns? Jesus will auch bei uns in unseren Herzen aufräumen, alles was stört, damit wir wirklich Gott begegnen können.

Dann feierte Jesus das letzte Abendmahl mit seinen Freunden. Dabei wusch er ihnen die Füße. Petrus wollte zuerst gar nicht. Vielleicht dachte er: oh, meine Füße stinken, ich habe ein Loch im Socken. Ich will nicht, dass Jesus das sieht. Aber Jesus wollte die Füße waschen, wollte dass Petrus ihm alles zeigt.

Und wir? Wir alle haben Stellen im Herzen, die wir niemandem zeigen wollen. Auch Jesus nicht. Aber Jesus sagt: doch zeig mir deine stinkenden Füße, zeig mir das, was niemand sehen soll. Ich wasche das alles weg. Daran denken wir eben am Gründonnerstag.

Wie ging es dann weiter? Dann wurde Jesus verhaftet, verurteilt und musste das Kreuz tragen.

Das alles hat er durchgemach, ausgehalten und ertragen für mich. Damit mir meine Sünden vergeben werden. Wenn wir an Karfreitag auf das Kreuz schauen, dann darf ich da alles abladen, was ich falsch gemacht habe in der letzten Zeit.

Und wenn ich über die ganze Woche den Weg von Jesus so mitgehe, dann kann ich am Sonntag auch wirklich erfahren, Jesus ist auferstanden! Nicht nur vor 2000 Jahren, sondern auch in mir.

Wenn ich ihn in mir aufräumen lassen, wegwaschen lasse und wenn ich mit ihm das Kreuz aushalte, dann kann ich an Ostern miterleben: der Schutt, der Mist in meinem Herzen ist weg. Ich spüre wieder Gottes Liebe. Er ist wirklich da, es gibt ihn echt!

Jesus will eben, dass wir heute nicht nur dastehen und Hosanna rufen, Herr hilf uns bei unseren äußeren Problemen. Er will eben bei uns innen drin etwas ändern.

Er hat auch damals nicht die Römer vertrieben, er ist am Kreuz gestorben, um unsere Sünden wegzumachen.

Das, was in uns im Innersten von Gott trennt.

Deshalb ist es wichtig, dass wir eben die ganze Geschichte kennen.

Es ist heute die Einladung, mit Jesus die ganze Geschichte zu gehen und dann am Sonntag wirklich Auferstehung zu feiern.

von Martina Gröber

 

Weitere Sonntagsgedanken finden Sie hier.