Faszinierende Krippen
Eine kompetentere Führerin als Rita Kehrle hätten die Teilnehmer bei der Fahrt der Katholischen Erwachsenenbildung zum Krippenmuseum in Oberstadion kaum finden können. Sie ist nicht nur selbst Krippenbaumeisterin (Den Kauf einer ihrer Krippen durch den Vatikan hatte nur die Coronasituation scheitern lassen.) Außerdem hatte und hat sie engen Kontakt zur berühmten, kürzlich verstorbenen, Tonkünstlerin Angela Tripi und ihrer Familie in Palermo.
Auf drei Stockwerken sind in der ehemaligen Pfarrscheune rund 2oo Krippen zu sehen. Es beginnt im Erdgeschoss mit einer Kastengrippe als Sonderausstellung, in der nicht nur die drei Könige, sondern ein ganzes Dorf Maria, Josef und dem Kind ihre Gaben bringen. Das Gegenstück zu den winzigen Santonfiguren ist ein großer Nachbau der einstigen Pfarrscheuer als Stall von Bethlehem mit der Heiligen Familie, vor Oberstadions Kirchplatz als riesigem Wandgemälde.
Erstaunlich, mit welchem Material die Künstler gearbeitet haben. Handgeschnitzte Figuren als Unikate, im Gegensatz zu holzgeschnitzten, findet man etwa vor Gebäuden aus portugiesischen Kork, an denen jeder „Stein“ erkennbar ist. Hinter einer Krippe aus Südtirol lässt sich das bekannte Panorama der Dolomiten ausmachen. Lebensfreude zeigen die Krippen aus Neapel.
Ihre ganz besondere Faszination üben Angela Tripis Tonfiguren aus. Stundenlang könnte man diese Figuren mit ihren wunderschön bemalten Gesichtern und den aufs Feinste herausgearbeiteten Einzelheiten der Gestalten betrachten.
Einen ganz anderen Reiz übt die eigens für das Museum von den Oberammergauer Holzschnitzern Tobias und Herbert Haseidl gefertigte Jahreskrippe aus. Nach Wunsch wird durch spezielle Beleuchtung das Leben Jesu aus der Gesamtlandschaft herausgehoben: Von der Geburt, über die Flucht nach Ägypten oder die Speisung der 5.000, den Einzug nach Jerusalem, bis hin zu Kreuzigung und Auferstehung. So hat man das ganze Kirchenjahr.
Auf 20 qm hat Alfred Müller aus Kaufering die „Vertreibung aus dem Tempel“ dargestellt. Auch dieser Krippe geben die Figuren und das Zubehör von Angela Tripi ihr Leben.
Bewundernswert ist neben den europäischen Krippen, mit welch einfachem Material Gläubige in Afrika und Südamerika die Geburt Jesu gekonnt veranschaulicht haben.
Der Entschluss mancher Besucher, bei Gelegenheit, wieder herzukommen, um sich in Ruhe noch einmal in alles zu vertiefen, ist verständlich.

